Du hast komplexe akademische Konzepte für jeden Zuschauer verständlich gemacht, sie ins hier und heute übersetzt, deine eigenen Ideen und Interpretationen beigefügt. Gab es jemanden im deutschsprachigen Raum, der in den letzten Jahren vor mehr Zuschauern die Fackel der Freiheit höher in den Himmel gereckt hat als dich?

Du beschriebst das Monströse, statt sich vor ihm zu verstecken. Du gabst dem Widerstand einen intellektuellen Resonanzboden, auch dank einer Traube von klugen Redakteur(innen), die du um dich schartest. Viele meiner Texte hast du vertont, wir schauten gemeinsam zu, wie sie in den Youtube-Himmel schossen, bevor sie von der Flugabwehr der Zensoren demoliert wurden. Wir haben es uns nicht ausgesucht, aber wir waren plötzlich Waffenbrüder in einem seltsamen, ungleichen Informationskrieg. Ich habe in dieser Zeit einen echten „Unbrechbaren“ kennengelernt. Jemanden, der aus einem geistigen Material gemacht ist, das nicht nachgibt. Wo Wort und Tat in engstem Verhältnis stehen. Wie viele Menschen können das von sich behaupten?

Unser Appell brachte viele Akteure des Widerstands, die davor verstreut und vereinzelt vor sich hinarbeiteten, näher zusammen. Wir waren plötzlich „die Vermittlung“. Die Wege wurden kürzer, der Widerstand formierte sich stärker heraus. Das war während Corona von unschätzbarem Wert. Dein Wirken, lieber Gunnar, und wer will das leugnen, brachte Menschen zusammen, eigentlich überall, wo du warst. Du hast Menschen zum Denken angeregt und ins Handeln gebracht. Wo du warst, war Spaß, Musik, Spiel, Begegnung, Gespräch – wo du warst, war Leben. Durch dich kreuzten sich Lebenslinien. Ich spreche aus persönlicher Erfahrung: Die Freundin an meiner Seite war bis zu einer schicksalhaften Begegnung in Zürich mal deine Redakteurin. Du plantest ein Refugium und eine Begegnungsstätte für kritische Geister, noch viele Seminare, Interviews und Bücher.

Die virtuelle Welt, die dich und dein Wirken immer umgeben hat, denn du wirktest über den Äther des Netzes, ist nun der Raum für dein Vermächtnis. Denn deine Botschaften, Texte und Videos, sie bleiben. Du hast mit deiner Arbeit kleine und größere Informationsquellen im Internet installiert, zwischen den Schützengräben der Zensoren und Hater und gegenüber einem oft ratlosen Mainstream. Diese Quellen sprudeln weiter und hoffentlich in alle Ewigkeit.

Der deutsche Journalismus verliert ein verkanntes Juwel, ich persönlich einen seltenen Freund.

Quelle: